Videoconferencing

Das allgemeine GWDG-Angebot zum Videoconferencing war bisher der DFNconf-Dienst. Dieser wird vom DFN-Verein betrieben, bei dem die GWDG, MPG und Universität Göttingen Mitglieder sind.

Aktuell gibt es aufgrund der stark gestiegenen Nutzung jedoch Leistungsengpässe, so dass der DFNconf-Dienst nicht vollständig stabil zur Verfügung steht. Mehr Informationen, auch hinsichtlich der Auslastung des Dienstes aufgrund der aktuellen COVID-19-Situation, finden Sie auf den Webseiten des DFN-Vereins: https://www.conf.dfn.de.

Die GWDG hat sich daher entschlossen, alternative Angebote für ihre Kunden ins Portfolio zu nehmen, um diese Phase zu überbrücken und geeignete Lösungen anzubieten. Es handelt sich hierbei teilweise um kommerzielle, kostenpflichtige Cloud-Angebote, bei denen Informationen teilweise unseren eigenen Hoheitsbereich verlassen. Wir können daher nicht für den Datenschutz garantieren und somit sind diese Dienste für sensible und/oder personenbezogene Daten nicht zulässig. Wir bitten darum, dies bei der Nutzung zu berücksichtigen.

Zu all diesen Diensten finden Sie Informationen auf gesonderten Seiten.

Durch die GWDG betriebene bzw. Community-Lösungen

  • BigBlueButton (durch die GWDG betrieben): Aktuell im Testbetrieb bei der GWDG mit noch eingeschränkter Gesamtkapazität. Der Produktionseinsatz ist nach Ostern mit einer leistungsfähigen Infrastruktur geplant. Geeignet für Gruppen bis 100 Teilnehmern. Aktuell keine Telefoneinwahl. Höhere Stabilität als Jitsi.
  • DFNconf (durch den DFN-Verein betrieben): Aktuell nur eingeschränkt nutzbar.
  • Jitsi (durch die GWDG betrieben): Open-Source-Lösung, geeignet für Videoconferencing mit kleineren Teilnehmerzahlen. Bei mehr als 10 Teilnehmern schwankt die Qualität.

Kommerzielle, externe Plattformen

    • Cloud-basiert, kritisch in Bezug auf Datenschutz, skaliert gut für größere Teilnehmerzahlen.
    • In den USA auch an Universitäten für Lehre bei größeren Vorlesungen im Einsatz.
    • Aktuell kostenfrei mit begrenzten Umfang (40min, keine Telefoneinwahl) individuell nutzbar.
    • Die GWDG hat eine eingeschränkte Anzahl an Business-Lizenzen beschafft.
    • Cloud-basiert, kritisch in Bezug auf Datenschutz, skaliert relativ gut, in den letzten Tagen weniger komfortabel/stabil als Zoom.
    • Für die Lehre bedingt geeignet.
    • Aktuell kostenfrei mit eingeschränkten Funktionsumfang; später wird ein Lizenzvertrag benötigt.
    • Cloud-basiert, kritisch in Bezug auf Datenschutz, skaliert gut, Telefoneinwahl.
    • In Australien und Kanada an Universitäten für die Lehre im Einsatz.
    • Aktuell kostenfrei, später wird ein Lizenzvertrag benötigt.

Bei den kommerziellen Plattformen ist zu beachten, dass diese nicht von der GWDG in Göttingen betrieben werden und daher datenschutzrechtlich problematisch sind. Sie sind nach aktuellen Stand nicht für besonders schützenswerte und personenbezogene Daten geeignet. Die Lösungen sind nicht kostenfrei, auch wenn es aktuell kostenfreie Angebote für eine Übergangszeit gibt. Die GWDG bietet jedoch Zugang zu diesen Lösungen und kann teilweise auch Lizenzen bereitstellen.

Bewertung und Empfehlungen insbesondere für die Universität Göttingen

Aktuell hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass das Sommersemester 2020 stattfindet. Momentan ist geplant, dass das Sommersemester ab dem 20. April mit virtueller, digitaler Lehre startet. Es wird deutlich, dass viele Lehrenden auf der Suche nach geeigneten Werkzeugen sind und Unterstützung benötigen. Die GWDG liefert dafür technische Optionen und Dienste. Die Auswahl und Empfehlung für die Lehre an der Georg-August-Universität erfolgt an anderen Stelle. Es gibt Unterstützung und Beratung für die Lehre insbesondere bei der Abteilung Studium und Lehre der Universität.

Die GWDG arbeitet eng mit der Abteilung Studium und Lehre und dem Team Digitales Lernen und Lehren zusammen. Wir stimmen uns bei den aktuellen Entwicklungen regelmäßig untereinander ab.

Wir möchten hier dennoch einen Überblick zu unserer aktuellen Bewertung der Dienste geben, um möglichst viel Transparenz in der aktuellen Situation zu bieten. Die oben genannten Lösungen bieten alle Unterstützung für Videokonferenzen. Die Leistungsfähigkeit ist aber im Detail unterschiedlich und die Dienste sind für Vorlesungen in unterschiedlichem Maße geeignet:

  • DFNconf mit Pexip ist seit Jahren gut etabliert. Der Dienst war jedoch nicht für stark gestiegene Nuterzahlen ausgelegt, weswegen er aktuell nur eingeschränkt genutzt werden kann. Er wird wahrscheinlich für breit angelegte Lehrveranstaltungen im Sommersemester nicht geeignet sein. Ebenso ist zu erwarten, dass der DFN Dienst Adobe Connect, der häufig für die Lehre genutzt wird, mit Beginn des Sommersemesters an seine Grenzen kommt und nicht stabil zur Verfügung steht.
  • BigBlueButton: Das System ist für Göttingen neu und wurde von der GWDG in Zusammenarbeit mit dem Team Digitales Lernen und Lehren kurzfristig aufgesetzt. Die ersten Erfahrungen hiermit sind gut. Die Lösung wird an anderen Hochschulstandorten schon länger als Videokonferenz- und Lehrplattform eingesetzt. Es besteht die Möglichkeit der Integration in Stud.IP. Es ist jedoch noch unklar, wie skalierbar die Plattform wirklich ist. Es besteht die Einschätzung, dass BigBlueButton gut für die Lehrveranstaltungen bis 80-100 Teilnehmer ist.
  • Jitsi: Das System wurde ebenfalls kurzfristig neu bei der GWDG installiert und evaluiert. Es zeigte jedoch qualitative Schwächen bei Gruppen ab 10 Teilnehmer und wurde daher gegenüber BigBlueButton zurückgestellt. Eine Nutzung für Lehre wird nicht empfohlen.
  • Zoom: Es handelt sich um eine kommerzielle, extern gehostete Cloud-Plattform. Damit ist sie in Bezug auf Datenschutz und Personalrecht kritisch zu sehen. Die Plattform wird in den USA bei großen Hochschulen schon länger für Lehre eingesetzt. Es ist bekannt, dass die Plattform gut skaliert und auch für Veranstaltungen von über 1000 Teilnehmer geeignet ist. Ein Vertrag für Zoom müsste noch verhandelt und abgeschlossen werden. Ein übergreifender Vertrag durch den DFN-Verein wurde von der Firma vorläufig abgelehnt.
  • Cisco WebEx: Es handelt sich um eine kommerzielle, extern gehostete Cloud-Plattform. Damit ist sie in Bezug auf Datenschutz und Personalrecht kritisch zu sehen. Die Plattform funktioniert gut für Videokonferenzen, hat jedoch immer wieder Probleme mit größeren Teilnehmerzahlen. Es ist keine typische Plattform für Online-Lehre an Hochschulen. Cisco-WebEx ist aktuell aufgrund Coronakrise zeitlich befristet kostenlos. Ein Vertrag für Cisco WebEx wäre noch zu verhandeln und abzuschließen.
  • Microsoft Teams: Es handelt sich um eine kommerzielle, extern gehostete Cloud-Plattform. Damit ist sie in Bezug auf Datenschutz und Personalrecht kritisch zu sehen. Die Plattform funktioniert gut für Videokonferenzen und inkludiert weitere Kollaborationswerkzeuge. Sie wird im Ausland, z.B. in Australien und Kanada, an Hochschulen auch für die Lehre mit größeren Veranstaltungen eingesetzt. Microsoft Teams ist ebenfalls wegen der Coronakrise zeitweise kostenlos. Die genauen Folgekosten sind auch hier zu ermitteln.

Einschätzung für Lehrveranstaltungen

Insgesamt ergibt sich bei den Videokonferenzdiensten ein Bild mit diversen potentiellen Lösungen. Die Erwartung ist hoch, dass wir am Campus mit BigBlueButton zeitnah eine funktionierende Web Conferencing-Lösung verfügbar haben werden, die auch für die Lehre geeignet ist. Wahrscheinlich ist diese jedoch nur für Gruppengrößen bis maximal 80-120 Personen verwendbar. Die GWDG wartet auf eine größere Hardware-Lieferung, um bis zum 20. April die Plattform auszubauen, so dass ca. 2000 parallele Teilnehmer*innen möglich sind. Es gibt allerdings keine Erfahrungswerte, wie viele Teilnehmer*innen es gleichzeitig im Sommersemester geben wird. Ein weiterer Ausbau an Kapazitäten durch die GWDG ist aber möglich.

Die Stabilität von BigBlueButton ist aktuell noch nicht final zu bewerten. Das System wurde kurzfristig im März eingeführt und wird im April auf eine größere Hardware-Infrastruktur migriert. Die GWDG ist bemüht hierfür einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, es gibt dafür jedoch noch keine längere Erfahrung und Historie. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Sommersemester immer wieder auch unerwartete Einschränkungen auftreten können.

BigBlueButton ist damit nach aktuellem Stand die präferierte und empfohlene Lösung für den Göttingen Campus bei maximal 80-120 Teilnehmer*innen (aktuell ohne Telefonunterstützung).

Alternativen

In der aktuellen Situation erscheint es sinnvoll, neben der präferierten eigenen Lösung BigBlueButton auch weiterhin eine kommerzielle Plattform im Portfolio zu haben, um für Eventualitäten abgesichert und handlungsfähig zu sein. Diese Plattform kann nach aktuellem Stand nur eine kommerzielle Plattform aus dem Set der evaluierten Angebote sein. Eine weitere, alternative Open-Source Lösung in Eigenbetrieb ist in der verfügbaren Zeit nicht realisierbar und aktuell ist auch kein geeignetes Produkt erkennbar. Es gibt zudem wenig Hinweise, dass alternative kommerzielle Lösungen wie WebToGo, BlueJeans etc. weitere Vorteile bieten würden.

Aufgrund der positiven Erfahrungen scheint Zoom eine sinnvolle Wahl für eine Ergänzung zu BigBlueButton zu sein.

Alternativ kommt auch Microsoft Teams in Frage und entsprechende Diskussionen zu dessen Einsatz laufen. WebEx hat sich für Vorlesungen international nicht bewährt. Dieser Eindruck wird auch dadurch bestärkt, dass deutschlandweit als auch international eine Mehrheit der Hochschulen auf Zoom zu setzen scheint. Auch der DFN-Verein hatte angekündigt, dass er aufgrund der fehlenden Perspektiven mit seinem eigenen Angebot DFNConf einen Zoom Vertrag aushandeln möchte, um dies anzubieten. Dieses Ziel hat sich jedoch zerschlagen, da die Firma Zoom im Moment keine solche Landesverträge abschließen will und stattdessen Einzelverträge mit Hochschulen anstrebt.

Die GWDG steht daher aktuell mit Zoom in Verhandlungen, um hier ein Angebot für den Standort zu ermitteln. Ein kurzfristiger Vertragsabschluss wird mit der Universität diskutiert, um für den Semesterstart eine Alternative anbieten zu können. Prinzipiell bietet Zoom auch die Optionen an, dass die genutzten Server in Deutschland sind oder auch on-premise beim Kunden betrieben werden. Diese Optionen werden von der GWDG natürlich präferiert und verfolgt. Es sieht jedoch aktuell nicht so aus, dass eine dieser Optionen kurzfristig für das Sommersemester 2020 realisiert werden könnte. Die Firma Zoom ist im Moment mit vielen Hochschulen in Verhandlungen und kann keine individuellen Anforderungen erfüllen.

Microsoft Teams

Die Präferenz bei dem Einsatz einer kommerziellen Lösung liegt bei Zoom. Es ist jedoch nicht klar, wie sich die Vertragsverhandlungen und die aufgerufenen Kosten entwickeln werden. Es ist daher sinnvoll, weiterhin Alternativen für Szenarien zu verfolgen, die BigBlueButtom nicht erfüllen kann.

Die GWDG hat daher die technischen Grundlagen geschaffen, dass auch Microsoft Teams eingesetzt werden kann. Auch hierfür treffen die meisten für Zoom getroffenen Aussagen zu. Es handelt sich um eine externe Cloud-Plattform von Microsoft außerhalb unserer direkten Kontrolle. Datenschutzrechtlich ist der Einsatz der Angebote von Microsoft problematisch zu sehen (z.B. durch mehrere Landesdatenschutzbeauftragte bewertet). Zum einen wird die Konformität zur DSGVO der entsprechenden Angebote in Frage gestellt. Zudem ist Microsoft bekannt für einseitige Änderungen der Vertrags- und Nutzungsbedingungen ihrer Dienste, die die Nutzungsgrundlage der Cloud-Dienste ohne Abstimmung mit den Kunden in kürzester Zeit ändern können. Die Nachhaltung und Prüfung dieser Veränderungen durch den lokal zuständigen Datenschutzbeauftragten ist eine Herausforderung und kaum zeitnah leistbar.

Einschränkungen und Herausforderungen

Es ist zu beachten, dass weiterhin die folgenden Fragen und Probleme offen und zu klären sind:

  • Datenschutzrechtliche Bewertung des Einsatzes einer kommerziellen Lösung sowie der Bedarf an einem Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung und die Prüfung der Rechtsgrundlage für die Weitergabe von Daten.
  • Sicherheitstechnische Bewertung des Einsatzes einer kommerziellen Lösung durch den Informationssicherheitsbeauftragten.
  • Personalrechtliche Einschätzung unter Einbindung des Personalrates, ob Beschäftigte eine externe Cloud-Lösung nutzen dürfen oder nutzen müssen.
  • Rechtliche Verankerung bzw. Prüfung unter welchen Bedingungen Studierenden zur Nutzung eines externen Angebotes verpflichtet werden können.

Diese Punkte sind für das Sommersemester kaum abschließend zu klären. Dennoch sind sie wesentlich für die Nutzung eines solchen Dienstes, wenn er verpflichtend ist. An einigen Hochschulen wird unter dem aktuellen Handlungsdruck bereits Zoom eingesetzt bzw. der Einsatz wird geplant. Vor einem Einsatz sind die Grundlagen zu schaffen oder temporäre Sonderregelungen zu diskutieren und ggf. zu entscheiden.

Weiterhin ist zu beachten, dass aus dem Internet bzw. von der Presse diverse Kritikpunkte oder Probleme zum Thema Datenschutz von Zoom aufgetaucht sind. Die Einschätzung der GWDG ist weiterhin, dass die Datenschutzbedingungen von Zoom vom Grundsatz her besser geeignet sind, als die von Cisco WebEx und Microsoft. Dennoch sind die Meldungen ernst zu nehmen und die Einschätzungen zu überprüfen. Wir werden hierzu weiterhin unsere Nutzer*innen auf den jeweiligen Webseiten informieren.

Medien-Server der GWDG

Der Medien-Server der GWDG ist geeignet, um aufgezeichnete Videos auszuliefern und dafür seit vielen Jahre im Einsatz. Es ist allerdings nicht klar, ob der Medien-Server der GWDG für eine gestiegene Nutzung ausreichend dimensioniert ist. Hier wird aktuell analysiert, ob dieser erweitert werden kann oder ob ggf. ein alternativer Dienst kurzfristig eingeführt werden sollte.

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