Konfiguration von XWindows

Grundlegende Bemerkungen zum Aufbau von XWindows

Ein XWindow-Terminal-Server, der die Verbindung über einen verschlüsselnden SSH-Tunnel aufbaut, wie z. B. XWin32, startet nach dem Aufbau der primären SSH-Verbindung ein Programm zur Erzeugung des XWindows auf dem Remoterechner. Dieses Programm heißt „xterm“ und kann im Programmverzeichnis des Remoterechners gefunden werden. Unglücklicherweise liegt das Programm „xterm“ nicht in allen UNIX- und Linux-Systemen im exakt gleichen Ordner oder der Suchpfad ist im Moment des primären Einloggens nocht nicht vollständig. Weiterhin stehen nicht in allen UNIX- und Linux-Systemen die gleichen Schriftfonts zur Verfügung. Deshalb gibt es ein GWDG-Skript „gwdterm“, welches intern „xterm“ mit gewissen Standardparametern aufruft, damit nach dem Einloggen ein brauchbares Fenster zur Verfügung steht. Dieses Skript kann mit seinem absoluten Pfad auf jedem Dialogserver der GWDG beim Einloggen wie folgt aufgerufen werden: /gwdg/bin/gwdterm

Erzeugen weiterer XWindows

Der Aufruf von gwdterm (oder xterm with additional parameters!) gefolgt von einem kaufmännischen Und-Zeichen auf der Kommandozeile des primärem Fensters, erzeugt ein weiteres XWindow:
gwdterm &
oder
xterm Parameter &
Bitte beachten Sie, dass alle Prozesse (Rechnungen etc.) automatisch abgebrochen werden, wenn Sie sich ausloggen, es sei denn, Sie haben den Prozess als „nohup“-Prozess - gefolgt vom „&“-Zeichen - gestartet:
nohup Programm_aufruf &
Alle Bildschirmmeldungen (Standard- und Fehlerausgabe) werden in diesem Beispiel standardmäßig in eine Datei nohup.out geschrieben. Natürlich kann man diese Ausgaben auch in eigene Files lenken, z. B.:
nohup Programm_aufruf 2> Fehlerausgabe.txt > Standardausgabe.txt &

Weitere Konfigurationsmöglichkeiten

Falls das Skript „gwdterm“ nicht vefügbar ist oder weitere Eigenschaften des XWindows konfiguriert werden sollen, dann mag folgendes Beispiel hilfreich sein:
xterm -sb -ls -cr Black -ms Black -sl 20000 -bg LightBlue1 -fg black -fn 9x15bold -name kmuster@u115 -e „UNIX command“
Alle Parameter außer -ls sind optional (könnten im Prinzip weggelassen werden), sind aber durchaus nützlich. Dabei werden folgende Eigenschaften definiert:
-sb steht für „Scroll bar“ und sorgt für die Schiebeleiste auf der linken Seite. Diese kann mit der gedrückten mittleren Maustaste zum Scrollen des Bildschirmspeichers benutzt werden. Ähnlich funktioniert die Tastenkombination „Shift“ und „PageUp“ bzw. „PageDn“.
-ls erzeugt eine „Login-Shell“ was entscheidend für die normalen Eigenschaften eines XWindows ist.
-cr Black definiert die Farbe des Tastatur-Cursors.
-ms Black definiert die Farbe des Maus-Cursors.
-fg black kontrolliert die Vordergrundfarbe des Fensters.
Alle vorstehend genannten Parameter sind bereits im gwdterm-Skript als Default eingestellt, können aber durch die Übergabe gleichartiger Parameter mit anderen Werten übersteuert werden.
-sl 20000 bezeichnet die Anzahl der gespeicherten Zeilen des Bildschirmspeichers. Der Defaultwert in gwdterm ist nur 5000 und ist oft ein bisschen zu klein.
-bg LightBlue1 wählt die Hintergrundfarbe aus.
-fn 9x15bold setzt die Schrift auf 9×15 Punkte (in Fettdruck), was eine besser lesbare Schrift als die vom gwdtwerm-Skript defaultmäßig verwendete ergibt.
Spezielle Originalschriften können wie folgt definiert werden (bitte dabei die Quotierung mit den beiden Apostrophen unbedingt bachten!):
-fn '-adobe-*-*-r-*-*-17-*-100-*-*-*-*-*'
Wie man eine Liste aller verfügbaren Fonts erhalten kann, kann man auf dieser Seite weiter unten ersehen.
-name kmuster@u115 benennt das Fenster (also den Text im blauen Balken unter Windows) bzw. den Task (die Schaltfläche in der Taskleiste) entsprechend um, was bei mehreren unterschiedlichen XWindow-Terminalverbindungen sehr nützlich ist. Von dieser hier verwendeten Schreibweise [lies: „kmuster auf gwdu115“] ist übrigens auch die Syntax von E-Mail-Adressen abgeleitet worden. Leider wird dieser Parameter von manchen Anwendungen übersteuert. Der Defaultwert im gwdterm-Skript ist bei „name“ der pure Rechnername.
-e „UNIX command erlaubt die Ausführung von UNIX/Linux-Kommandos (bitte bei mehreren Worten die Anführungszeichen nicht vergessen!) in einem speziell dafür erzeugten Fenster, welches sich nach Ausführung des Befehls wieder automatisch schließt. Dies ist z. B. sinnvoll, wenn man die Befehle top oder htop benutzt.
Durch Übergabe von Parametern mit anderen Werten können die standardmäßig vom Skript „gwdterm“ gesetzten Parameter übersteuert werden:
gwdterm -fn 9x15bold übersteuert z. B. den im Skript intern gesetzten Font.

Farben

Eine Übersicht über die möglichen Farben findet man hier. Die einzelnen Parameter lauten:
-fg farbe „foreground color“ (Farbe der eingetippten Zeichen)
-bg farbe „background color“ (Hintergrundfarbe des Terminals)
-ms farbe „mouse“ (Farbe des Maus-Cursors, die Hintergrundfarbe wird dabei invertiert!)
-cr farbe „character“ (Farbe des Text-Cursors)

Schriften

Mit der Eingabe von xlsfonts in der Kommandozeile von z.B. „gwdu60.gwdg.de“ (FreeBSD) oder „gwdu19.gwdg.de“ (Linux) erhält man eine Ausgabe aller verfügbaren Schriften (inkl. Cyrillic etc.) (> 5000). Benötigt man einen Schrift, der ISO-Norm 8859-15 (= Latin-9) entspricht , also alle deutschen Umlaute und Sonderzeichen einschl. des €-Zeichens enthält, dann kannan die ausgegebene Menge wie folgt einschränken:
xlsfonts | grep iso8859-15 | more
Diese reduzierte Liste enthält alle 464 Schriften in den Auszeichnungen „normal“, „kursiv“ und „fett“:
. . .
-adobe-utopia-regular-r-normal–25-180-100-100-p-135-iso8859-15
-adobe-utopia-regular-r-normal–25-240-75-75-p-135-iso8859-15
-adobe-utopia-regular-r-normal–33-240-100-100-p-180-iso8859-15
-b&h-lucida-bold-i-normal-sans-0-0-100-100-p-0-iso8859-15
-b&h-lucida-bold-i-normal-sans-0-0-75-75-p-0-iso8859-15
. . .
-schumacher-clean-medium-r-normal–0-0-75-75-c-0-iso8859-15
. . .

Braucht man keine deutschen Sonderzeichen und sucht größere Zeichen als 9x15bold (z.B. wegen der sehr hohen Auflösung eines relativ kleinen Notebook-Bildschirmes), kann die Einschränkung mit dem folgendem Befehl geschehen:
xlsfonts | grep -E ^'[0-9,a-z]' | more
Es kämen dann z.B. ergo22, courb24, fg-25 oder fg-30 in Frage. Einige Schriftnamen sind nach folgender Systematik gebildet:
courr = Courier normal (regular)
couro = Courier kursiv
courb = Courier fett (bold)

Das Programm xfontsel zeigt im XWindow alle verfügbaren Zeichen einer Schrift, wenn dies wie im folgenden Beispiel übergeben wird:
xfontsel -pattern '-schumacher-clean-medium-r-normal–0-0-75-75-c-0-iso8859-15'
Bitte auch hier wieder die Apostrophen am Anfang und Ende des Schriftnamens beachten!

Testen einer X-Verbindung

Der einfachste Weg um zu testen, ob die Verbindung eine X-Verbindung ist, ist, eines der beiden folgenden Programme aufzurufen:
xeyes & … lassen Sie die Maus mal ein bisschen „laufen“. ;-)
xclock & zeigt eine einfache Analoguhr an.